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Es war ein
kalter, nebliger Sonntagabend, als Donald Lloyd in seinen
metallicblauen Ford
stieg um zur Disco zu fahren. Nachdem er den Motor angelassen hatte,
drehte er
die Heizung auf, da er ein wenig fror. Er trat auf das Gaspedal und
verließ mit
quietschenden Reifen die Einfahrt. Nach etwas fünfzehn Minuten
erreichte er die
Disco „Black Moon“.
Donald wurde von
jedem gemieden, da sie alle wussten was für eine zwielichtige
Person er war. Er
verkaufte Drogen, um mit dem daraus verdienten Geld seinen eigenen
Drogenkonsum
zu finanzieren. Um an Bares zu kommen wandte er meist die brutalsten
Methoden
an.
„Black Moon“,
eine Lasterhöhle, die gleichzeitig Donalds Stammdisco war, war
für seine
Geschäfte wie geschaffen.
Er wollte schon
hineingehen, als er einen ungefähr siebzehnjährigen Jungen
entdeckte, an den er
seinen Stoff loswerden wollte. ER ging auf ihn zu und sprach ihn an.
„Ey, hast Du
Lust auf ´ne Dröhnung?“
Erst sah der
Junge überrascht auf die Tüte mit dem weißen Pulver,
die Donald in der Hand
hielt, zog dann aber eine verächtliche Grimasse.
„Vergiss es,
Mann. Ich bin clean!“
Donald fuchtelte
ihm mit der Tüte vor der Nase herum.
„Dann wird es
Zeit, dass sich das ändert.“
Diesmal
reagierte der Siebzehnjährige ungehaltener und schlug ihm die
Tüte aus der
Hand, so dass sie am Boden aufplatzte und das Pulver sich überall
verbreitete.
Jetzt wurde
Donald sauer, zog ein Messer und rammte es dem verdutzten Jungen in die
Seite,
der sofort zusammensackte.
Donald rannte
zum Wagen, um abzuhauen, denn einen Mord konnte er jetzt nicht
brauchen. Dass
der Fünfundzwanzigjährige den Jungen erstochen hatte, war
eine seiner typischen
Kurzschlussreaktionen, die man seinem Jähzorn zuschreiben musste.
Er jagte mit dem
Wagen vom Discoparkplatz und verschwand in der Nacht. Die Landstrasse
fuhr er
in einer wahnwitzigen Geschwindigkeit entlang, als ihm plötzlich
ein Reifen
platzte. Der Wagen überschlug sich ein paar Mal, bis er gegen
einen Baum
außerhalb der Fahrbahn donnerte. Dann herrschte eine eisige
Finsternis um
Donald.
„Doktor!“
„Ja, was gibt
es?“
„Uns erreicht
gerade eine Unfallmeldung von der Landstrasse Jolly-Hill und Shannon!“
„Schicken sie
einen Krankenwagen. Ich lasse alles für einen Notfall vorbereiten!“
Donald öffnete
die Augen und fand sich in einem weißen, kahlen Raum wieder, in
dem ein älterer
Herr an einem Schreibtisch saß, sich Akten durchsah und murmelte:
„Lloyd – aha,
hmm, jawoll – Sie sind doch Donald Lloyd?“
Donald sah sich
verwundert um. „Ja, aber wo bin ich hier?“
Ohne auf Donalds
Frage zu antworten, fuhr der Mann fort: „Wenn Ihre Akten stimmen, dann
weiß ich
schon, wohin ich Sie weiterleiten muss. Drogen, Mord, ja es besteht
kein
Zweifel.“ Der Boden unter Donald begann nachzugeben, und er versank
darin, ohne
sich wehren zu können. Das letzte, was er vor einer erneuten
Ohnmacht hören
konnte, war: „Ach ja, Sie sind im Jenseits...“
Der Krankenwagen
erreichte die Unfallstelle innerhalb von zehn Minuten, und die
Ärzte sprangen
sofort aus dem Wagen, um zu sehen, wie und ob dem Verunglückten zu
helfen war.
„Schnell, helfen Sie mir, ihn aus dem Auto zu holen und ihn in den
Krankenwagen
zu transportieren!“
Im Krankenhaus
schlossen sie den blutüberströmten Körper Lloyds an die
Lungemaschine und an
einige Messgeräte an.
„Puls: schwach
und unregelmäßig, Gehirnwellen: keine!“
„Schnell wir
müssen uns beeilen, dann bekommen wir ihn vielleicht durch!“
Donald wachte
aus einer weiteren kurzen Bewusstlosigkeit auf und fand sich in einem
Kerker
wieder. Er war an die Wand gekettet, wie man es im Mittelalter getan
hatte. Um
ihn herum hingen noch einige andere, und den rechts von ihm sprach er
an: „Hey,
wo bin ich hier?“
Der
Angesprochene antwortete: „Du bist hier an einem Ort, den ihr in eurer
Religion, glaube ich, Fegefeuer nennt.“
„Ich bin
wirklich tot, ich dachte, das wäre ein böser Traum gewesen...“
„Glaube es
ruhig. Das hier ist ein verdammter Ort! Ich hänge hier schon
Jahrhunderte nach
eurer Zeitrechnung und warte auf mein Urteil. Und dann entscheidet sich
ob ich
nach oben oder nach unten komme... O je, jetzt holen sie wieder einen.“
Ehe sich Donald
versah, trat eine Art Wächter in die Zelle. Ein mächtiges
schwarzgekleidetes
Wesen, das von der Statur her wie ein Mensch aussah. Sein Kopf war
unter einer
Kapuze versteckt, aus der die Augen wie zwei rotglühende Punkte
hervorstachen.
Er ging auf Donald zu und befreite ihn von seinen Fesseln. Das Wesen
machte
eine Geste, die wohl „komm mit“ heißen sollte.
Als sie den
Kerker verlassen hatten, schloss der Wächter wieder ab.
Der Krankenwagen
kam im Krankenhaus an, wo das vorher benachrichtigte Personal schon
wartete, um
den schwerverletzten Donald Lloyd auf die Intensivstation zu bringen.
Als sie
ihn in den OP brachten, war alles schon vorbereitet.
Nach einem
endlosen Irren durch Gänge und Stollen gelangte der Wächter
und Donald – oder
besser seine Seele – in eine Höhle, deren Boden ein riesiges Loch
aufwies. Als
Donald hinuntersah entdeckte er nichts außer einem Flammenmeer.
Am Rand dieses
Loches saß der Herr, der für die Akten verantwortlich war.
„Mr. Lloyd, Sie
sind ein eindeutiger Fall für unten. Wächter, erfülle
deine Pflicht!“
Der Wächter
packte Donald und zog ihn zu dem Loch, um ihn hineinzustoßen.
Erst wehrte sich
Donald, als er aber merkte, dass er keine Chance hatte, gab er auf.
„Doktor, kommen
sie schnell!“ Die Schwester betrachtete die Messgeräte, an die
Donald
angeschlossen war.
„Was ist denn?“
„Das EEG zeigt
wieder Gehirnwellen an, er erwacht aus seinem Koma!“
Donald spürte
wie er die Kante hinuntergestoßen wurde. Erneut erfasste ihn eine
Art Ohnmacht.
Als er diesmal seine Augen öffnete, erblickte er kein Feuer und
keinen Kerker.
Er blickte in das lächelnde Gesicht einer Schwester und in das
besorgte eines
Arztes. Er konnte sich jetzt, bei Gott, keinen schöneren Anblick
denken.
„Na, wieder unter
den Lebenden?“
Das war die
erleichterte Stimme der Schwester, die er hörte.
Eine Antwort war
ihm aber unmöglich, da ihn die Schläuche in Nase und Mund
daran hinderten.
Der Arzt gab ihm
eine Spritze, wonach Donald in einen traumlosen Schlaf sank.
Als er am
nächsten Morgen aufwachte, sah er, dass die Schwester gerade zur
Tür hereinkam.
„Guten Morgen
Mr. Lloyd. Statt unseres normalen Oberarztes wird Sie heute eine
Vertretung
erfreuen. Ich hoffe, das stört sie nicht.“
Als die
Schwester das Zimmer wieder verlassen hatte, betrat ein älterer
Herr das Zimmer
und verschloss die Tür. Als er sich zu Donald umdrehte, schrak
dieser zusammen.
Das war der Mann, den er im Jenseits gesehen hatte, der mit den Akten!
„Nun, Mr. Lloyd,
Sie dachten, Sie könnten uns entkommen, doch da haben sie sich
geirrt...“
Die Person
schritt auf Donald zu. Der versuchte zu schreien, doch die
Schläuche um seinen
Hals wurden ihm zum Verhängnis. Der Mann riss sie ihm aus Hals und
Nase,
wickelte sie um Donalds Hals und zog zu...
Ende.
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